In der stillen Stadt

Die Kreuzung
um Vier
in mitten
der stillen Stadt

es war noch nicht Tag
es war nicht mehr Nacht

ich hörte das Klicken
der Ampeln
und das Klacken
meiner Schuhe

es gab keinen Horizont
und im kalten Wind
nach diesem warmen Tag
roch es nach altem Kaffee

und wo ein
verstorbener Traum begraben
wurde
mit meinen Tränen
eine Hoffnung gegossen

es war noch nicht Tag
es war nicht mehr Nacht
die Vögel
sangen noch nicht

in
der stillen Stadt
stand alles Still
und irgendwo

schwebten wir

Das Teelicht

Du hältst
eine Hand
mein Herz
zerbricht

und das Teelicht
erlischt
das Wachs
ist verbrannt

ich sehe ein Gesicht
im Spiegel
bevor
das Badewasser
dich ergreift

es ist ein See
und ich versinke

der Himmel
und die Erde
sehen sich an
doch ihr Antlitz
ist eins

Schwerelosigkeit
nimmt mir die Tränen
und das Leid

und dein Gesicht
erkenne ich
noch immer nicht
dabei
kenne ich
es doch

Mein Ich

Nahm mir
mein Ich
mein selbst

wer war
mein Ich
vor dir

ich erinner
mich nicht

du warst
der Anfang
das Ende
meines selbst

ich erinner
mich nicht

denn mein Ich
ist weg

Einigkeit und Ewigkeit

Die Zimmerdecke
ist golden
über der kreisrunden
Lampe

du siehst
mir ins Gesicht
und durch meine Augen
hindurch

die Zeit bleibt
stehen
ein Universum
vereist
wir sind Kosmonauten
die unsere Sterne
erkunden

du benanntest
deine Liebe
zu mir
und ich die meine
zu dir

wir schworen uns
die Einigkeit auf Ewigkeit
in unseren Träumen
unter der Lampe
zwischen den Planeten

und die Zeit
taute
und verstrich

und riss
ein schwarzes Loch
zwischen mich
und dich

Scherben und Blüten

Wir lagen
in weißen Laken
unsere nackten Körper
blühten

leicht
im Schnee
bei Sonnenschein
mein Sonnenschein
dein lachender Mund

zwischen
Winter
und Sommer

der Honig
süßte uns
unsere Welt
und unsere Liebe
war größer

als der Ort
in dem wir
zwischen unsichtbaren
Mauern
mit drei Jahren
Unterschied
geboren waren

deine Haare
sind jetzt länger
und meine kürzer

ich habe
den kürzeren gezogen
sammle jeden Tag
von neuem
die Scherben auf

du hast dich aufgemacht
dir eine Zukunft erbaut

und mich ausgeraubt

Auf dem weißen Feld

Schnee fällt
aus der Stille

ein Schuss fällt
in die Stille

Schnee färbt sich
rot
eine Träne
durchbricht
die Moleküle

ein Schrei
über Stille

Und die Sonne zerbricht

Der Wandel kommt
mit dem Wind
und die Sonne zerbricht
vor meinen Augen
sie fällt in das Meer
setzt die Möwen
in Flammen
erloschen in Wellen
und die Fische sterben
Muscheln singen
Trauerlieder
die Brandung
verbrennt mir die Füße
dem Sand ist die Wärme
genommen

und alles
kann niemals
so bleiben

Die Düsterkeit

Die Düsterkeit
der finsteren
städtischen Nacht

umschließt mich
sanft

und es wird kalt

es kommt zurück

stetig jagte es mich
in der Dunkelheit
das gesichtslose
Monster
aus dem Spiegel

es war eins
es war viele

und kam
aus der Wand
der Düsterkeit
hinter dem alten Glas

fand seinen Weg
in meine Brust
schlich in den Schatten
ein tiefer Spalt
deine Seele
entriss sie
den warmen Daunen

ich bin bis heute
nicht zurückgekehrt

Der Schein

Sie schmettert
Schmetterlinge
schamlos
an die Zimmerwand

und die Kugel
trifft
das Herz

der Schmerz
kehrt zurück
rückt sie
in des Vollmonds
Schein

und blendet sie
sodass
das Mädchen
nichts mehr sieht

nur ihre eigenen
Gedanken

bevor
die heile Welt
die niemals war
zusammenbrach

und der Mond
vom Himmel fiel

Eine Blume

Grauer Asphalt
weißer Rauch

Nebelschwaden
die wie Menschenmassen
durch die Straßen
treiben

unklar
unwissend
unbedeutend

und es tritt
aus einer Blume
aus Licht
die groß
an der Straße steht

ein Sinn

den niemand sieht