Der Fluch

Wen siehst du
wenn du
in den Spiegel
schaust?

Woran denkst du
wenn du
mir
alljährlich
eine Karte
zum Geburtstag
schickst?

Siehst du dich
denkst du
an mich?

An unser Telefonat
nun fast
zweieinhalb
Jahre her

Erinnerst du dich
was
du gesagt hast

Ich erinner mich
nun fast
täglich

manchmal
stündlich
gar minütig

deine Worte
eingebrannt
in meinen Kopf
mein Hirn

und wenn ich es mal
vergessen
sollte

dann reicht
jede
verdammte
soziale Interaktion
jedes Gespräch
und erst recht
jede versuchte Beziehung
aus
um mich
zu erinnern

deine Worte
eingebrannt
in meinen Kopf
mein Hirn

ich höre es
Tag für Tag
aufs neue

gerade letzte Nacht
habe ich wieder
von dir geträumt

wie soll ich auch nicht
denn es ist dein Geburtstag
heute

und als ich
schweißgebadet
mit rasendem Herzschlag
der Panik nahe
and dich
dich
und meinen Traum dachte

da hörte ich sie
wieder
deine Worte
eingebrannt
in mein Hirn

Wenn
du
dich nicht
nach anderen richtest
dann
wirst du
allein sein

wiederholt
hast du die Worte
noch

meinen Schrei
mein weinen
hast du nicht gehört
hast du nie gehört

Monate
gar jahrelange
Aggression
steckt in diesem Text

und das alles
was in mir
angerichtet wurde
nur durch ein paar
hirnlose
Worte

Sommer im Februar

(Das Ende dieses Texte wurde einige Monate nach der Veröffentlichung verändert, so wie sich auch die dahinterstehende Geschichte wandelte.)

Es war ein kalter
dunkler
Wintertag
der Tag
dieser eine
der alles verändern würde

ich saß
ernst
die Beine
übereinandergeschlagen
wartend
in einem roten Sessel
neben mir
ein Tisch
eine regelrechte Trennung
zu einem
zweiten
roten Sessel

du
voller Selbstbewusstsein
nahmst
neben mir platz

du sagst
hallo
stellst dich vor

ich
überrascht
doch
dir angetan

die folgende Stunde
verging
wie im Flug

wir öffneten
einander
unsere
Seelen
unsere
Herzen
zogen sich an
wie Magneten

am Abend
trafen wir uns
erneut
nicht
auf roten Sesseln
sondern Sofas
in einem einfachen
Lokal

wir
schmiedeten schon
Hochzeitspläne
sahen eine Zukunft
nur für uns

und spätestens
seit
ein Stückchen Gurke
aus meiner Sushirolle
die ich aß
auf meine Hand
hinunter fiel
und du es
mit deinen Stäbchen
aufnahmst
und aßt
wusste ich
dich
lasse ich niemals los

zu Anfang
erschien alles
leicht
schwerelos
nur wir
unsere Welten
kollidierten

ein
neues Universum
entstand

zu gern
zu gut
erinner ich mich
an diesen warmen
Sommertag
im Februar

du
ich
duftende Blumen
das letzte Licht
der Sonne
erhellt
unsere Welt

bald
ganz bald
sollte
unser Universum
implodieren

dann
gab es nur noch
Schmerz
Tränen
Kälte
meine
deine
Welt
wieder leer

jetzt
nach all der
Zeit
weiß ich
an dem kalten
Wintertag
hat
das Stückchen Gurke
unser Schicksal
besiegelt

Käfer

Wie Käfer
fliehen wir
vor uns selbst

Vor der Verlogenheit
der Missgunst
und der Eifersucht

Wie kann es sein
dass wir uns selbst
noch nähren

Das Bedürfnis haben
uns zu vermehren

Wir verwesen
langsam
und
werden uns noch
selbst zerstören

Mitte März

Seit dem einen
verheißungsvollen Tag
im dritten Monat
diesen Jahres

und der einen Nacht
kurz darauf
verflog die Zeit
wie der Wind
und brachte uns beide
weit aufs Meer hinaus
wir gehen
wohin uns die Wellen treiben

Seit dem einen
verheißungsvollen Tag
im dritten Monat
diesen Jahres

lernten wir uns lieben
du mich
ich dich
doch nach all der Zeit
die verflog wie der Wind
lernten wir nicht nur
das Lieben
doch auch
das Lernen
du von mir
ich von dir

Spaltung

Ich saug dich aus
du spuckst auf mich rauf
wir zerren einander
den Abgrund hinunter
reißen uns
die Kleidung vom Leib

tiefer ineinander
miteinander

wir stehen neben uns
und schließen einander aus

Im Anfang

Ein Anfang ist nie ein einzelner Moment, eine Zündung, ein Startschuss. Ein Anfang ist, wie ein Ende, ein Prozess, eine (Ver)wandlung von der einen Situation fließend in die andere. Im Talmud steht nicht «Am Anfang», sondern «Im Anfang». Wenn mensch aufhört, die Begebenheiten des Lebens als einzelne, unabhängige, abgeschlossene Momente zu sehen, sondern als Fluss, bei dem Anfang und Ende ineinander übergehende Prozesse sind, dann verändert sich die Weise, wie wir Leben leben. Für mich ist diese, um es wagemutig auszudrücken, Erkenntnis, in den vergangenen Wochen essentiell gewesen. Ich habe seit Januar diesen Jahres so viele, so extreme Höhen und Tiefen erlebt, wie noch nie in meinem Leben. Ich befand mich so nah am Abgrund meiner selbst wie lange nicht mehr und Tage später am Höhepunkt des Glücks. Zu sehen wie Trauer, Angst, Verlust und Schmerz kommen, aber auch wieder gehen, hat mich kraftvoller denn je werden lassen. Ein weiser Mensch hat vor kurzem zu mir gesagt, das Glück sei wie ein Reiter, der ab und an an einem vorbeizieht, kurz freundlich winkt, und schließlich seiner Wege zieht. Diese Metapher trifft die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate genau.

Jetzt bin ich hier, Tee schlürfend, meinen ersten Blogpost schreibend am offenen Fenster sitzend. Dieser Blog ist von mir für mich. Wenn du willst, ist er auch für dich. Ich will hier teilen, was mich glücklich oder wütend macht, bewegt, fertig macht. Ich will hier schreien können, dem Sturm im meinem Kopf freien Lauf lassen. Ob es schön, lyrisch und romantisch oder traurig, schmerzhaft und furchtbar wird, steht in den Sternen. Wahrscheinlich alles in allem und von allem ein bisschen.