Käfer

Wie Käfer
fliehen wir
vor uns selbst

Vor der Verlogenheit
der Missgunst
und der Eifersucht

Wie kann es sein
dass wir uns selbst
noch nähren

Das Bedürfnis haben
uns zu vermehren

Wir verwesen
langsam
und
werden uns noch
selbst zerstören

Mitte März

Seit dem einen
verheißungsvollen Tag
im dritten Monat
diesen Jahres

und der einen Nacht
kurz darauf
verflog die Zeit
wie der Wind
und brachte uns beide
weit aufs Meer hinaus
wir gehen
wohin uns die Wellen treiben

Seit dem einen
verheißungsvollen Tag
im dritten Monat
diesen Jahres

lernten wir uns lieben
du mich
ich dich
doch nach all der Zeit
die verflog wie der Wind
lernten wir nicht nur
das Lieben
doch auch
das Lernen
du von mir
ich von dir

Spaltung

Ich saug dich aus
du spuckst auf mich rauf
wir zerren einander
den Abgrund hinunter
reißen uns
die Kleidung vom Leib

tiefer ineinander
miteinander

wir stehen neben uns
und schließen einander aus

Im Anfang

Ein Anfang ist nie ein einzelner Moment, eine Zündung, ein Startschuss. Ein Anfang ist, wie ein Ende, ein Prozess, eine (Ver)wandlung von der einen Situation fließend in die andere. Im Talmud steht nicht «Am Anfang», sondern «Im Anfang». Wenn mensch aufhört, die Begebenheiten des Lebens als einzelne, unabhängige, abgeschlossene Momente zu sehen, sondern als Fluss, bei dem Anfang und Ende ineinander übergehende Prozesse sind, dann verändert sich die Weise, wie wir Leben leben. Für mich ist diese, um es wagemutig auszudrücken, Erkenntnis, in den vergangenen Wochen essentiell gewesen. Ich habe seit Januar diesen Jahres so viele, so extreme Höhen und Tiefen erlebt, wie noch nie in meinem Leben. Ich befand mich so nah am Abgrund meiner selbst wie lange nicht mehr und Tage später am Höhepunkt des Glücks. Zu sehen wie Trauer, Angst, Verlust und Schmerz kommen, aber auch wieder gehen, hat mich kraftvoller denn je werden lassen. Ein weiser Mensch hat vor kurzem zu mir gesagt, das Glück sei wie ein Reiter, der ab und an an einem vorbeizieht, kurz freundlich winkt, und schließlich seiner Wege zieht. Diese Metapher trifft die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate genau.

Jetzt bin ich hier, Tee schlürfend, meinen ersten Blogpost schreibend am offenen Fenster sitzend. Dieser Blog ist von mir für mich. Wenn du willst, ist er auch für dich. Ich will hier teilen, was mich glücklich oder wütend macht, bewegt, fertig macht. Ich will hier schreien können, dem Sturm im meinem Kopf freien Lauf lassen. Ob es schön, lyrisch und romantisch oder traurig, schmerzhaft und furchtbar wird, steht in den Sternen. Wahrscheinlich alles in allem und von allem ein bisschen.