Orangensaft

Er trank
den Orangensaft
schnell
aus einer Tasse
vor mir stehend
in der kleinen Küche
dieses
noch viel kleineren
Hauses

es hatte eine
Fußbodenheizung

aber der Boden
war kalt

und er verschluckte sich
denn er trank zu schnell

Mondlandung

Als die Mondlandung
letztens
fünfzig Jahre her war
sprach ich darüber
mit meiner Großmama

sie erzählte mir
was sie damals dachte

Mein lieber Mond
so schön
sehe ich dich
jede Nacht
am Himmel stehen
zart
in den unterschiedlichsten
Formen
so unberührt

jetzt trampelt
ihr da rum

schade drum

Ärger

Sie hasst es
auf ihn zu warten
seit sechsundreißig Minuten
sitzt sie hier
allein

sie ist kein ungeduldiger
Mensch
und eigentlich
kennt sie es von ihm
auch schon
hat sich fast daran
gewöhnt
doch wütend
macht es sie trotzdem
da kommt er
lächelnd auf sie zu
will sie umarmen

sie lächelt zurück
und
klatscht ihm
ein Stück
Mohntorte
direkt
ins Gesicht

Was sie sagte

Die Tomate
starrte ihn an
und schwieg
sie schien verbittert

nach einiger Zeit
sagte sie

lass mich bitte hier
liegen
bis ich weich werde

warum
fragte der Mensch

die Tomate erwiderte
ich durfte
mein ganzes Leben
lang
niemals
weinen
oder Schwäche zeigen
war immer hart
jetzt
wo ich hier liege
in deiner Küche
bitte gib mir Zeit
und lass mich hier liegen

gut sagte
der Mensch
und ließ sie liegen

als er sich umdrehte
und die Küche verließ
rollte
eine Träne
seine Wange hinunter

denn er
musste
wie die Tomate
sein Leben lang
hart sein
er wünschte sich so sehr
einmal weich werden zu dürfen

aber ihn
hörte nie
eine Menschenseele

Summer in February

It was
a cold
dark
winter’s day
this special one
that would change
everything

i sat
serious
my legs crossed
waiting
in a red chair
next to me
a table
almost a border
between
a second
red chair

you
full of confidence
sat down
next to me

you
said hello
introduced yourself
nicely

i was suprised
but indeed
appealed

the hour
that was to follow
passed
like a river
fast

we opened
our
souls
to each other
our
hearts
seemed like magnets

in the evening
we met
again
not on red chairs
but couches
in a simple café

we were already
planning
our wedding
dreaming of a future
that was only ours

and since at least
a piece of cucumber
from my sushiroll
that i ate
dropped
down
onto my hand
and you
picked it up
with your chopsticks
and ate it
i knew
i will never
let you go

in the beginning
everything
seemed
easy
weightless
just us
our worlds
collided

a new universe
was born

i remember
oh so well
that warm
summer’s day
in february

you
me
the sweet smell
of flowers
the last
ray of sunlight
enlightened
our world

soon
very soon
our universe
imploded

then
there was only
pain
tears
coldness
mine
your
world
empty again

now
after all this
time
i know
on that cold
winter’s day
the piece of cucumber
sealed
our fate

PS

because
you
i won’t ever
let go

Im ersten Licht

Du liegst mir
gegenüber
ganz friedlich
ruhig
wer weiß wovon
du träumst

ich kann es mir nur
vorstellen

jedoch
scheint es
gut zu sein
denn in deinem Gesicht
lese ich
ein sanftes Lächeln

Weggefährten

Sie saßen in der U Bahn
Wagen 27
Endstation Warschauer Straße
sie sitzen
gegenüber
fragen sich
was sie sagen könnten
doch
beide können nicht
einen einzigen
Gedanken denken
nun
sehen sie sich verstohlen
an
sind fast peinlich berührt

ich sitze neben ihnen
und schreibe diesen Text
sehe kurz zum Fenster
hinaus
beobachte
nur für einen Moment
die vorüberfliegenden
Tauben
und denke an dich

als ich zurückschaute
waren sie ausgestiegen
die beiden
die sich
ach so verlegen ansahen

wohin sie wohl gehen
was sie wohl tun
wer sie wohl sind
ob sie ihren Weg
zusammen gehen werden
ich werde es nie erfahren

ich weiß nicht
wohin ich gehen werde
ich weiß nur ungefähr
was ich tun werde
ich weiß an manchen Tagen
wer ich bin
doch
ich weiß
an allen Tagen
wir werden unseren Weg zusammen gehen
denn
wir beide
wir stehen erst

im Anfang

wie du mir sagtest
meine Perle
wir haben eine Welt
zu retten

Der Philosoph

Es war Nacht
und er sagte
ich will
mir die Zähne nicht putzen
aber ich muss
genauso
ist das Leben

See, Meer, Ozean

Es gibt einen Ort auf dieser Welt der für mich immer ein Zuhause ist, und sein wird: Die See, das Meer, der Ozean, wie auch immer mensch es nennen mag.

Ich habe viele Tage meiner Kindheit an der Ostsee verbracht. Mehr als ich je zählen könnte. Es waren die vollkommensten meiner Kindheit, vielleicht auch die unbeschwertesten meines Lebens. Meine Erinnerung mag schöner sein als die dort erlebten Tage es wirklich waren, jedoch ist mir das heute nicht von Wichtigkeit. Diese vielen Tage die ich dort am Strand verbracht habe, waren prägend.

Wir fuhren zweimal im Jahr, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Beide dieser Jahreszeiten tragen unberechenbares Wetter mit sich und so spielte ich bei Wind, Sonne, Regen und Sturm, manchmal bei zehn Grad, und manchmal bei zwanzig im Sand. Im Herbst lagen stets große Mengen toter Quallen am Strand, ein Bild was mir gut in Erinnerung geblieben ist.

Die Erinnerungen an die Zeiten an der Ostsee sind die klarsten an meine gesamte Kindheit. Immer wenn ich über die hellblaue Rügenbrücke am Hafen vorbeifur, hatte ich das Gefühl erfolgreich geflohen zu sein. Dieses Gefühl von Freiheit; gerade aus seinem Gefängnis namens Alltag ausgebrochen zu sein, ist für mich sehr eng mit der See verbunden und mit meiner Seele. Früher war mein wundester Punkt, das was mich immer zum weinen gebracht hat, das Geräusch einer Möwe über Berlin zu hören, weil es mich an diesen Traumartigen Ort, und das Tier, welches in meinen Augen für pure Freiheit steht, erinnert.

Als ich heute mit dem Zug an dieser unendlichen Wasserlandschaft vorbeifur regte sich in mir wieder dieses unbeschreibliche Gefühl, es war wie als käme ich nach Hause. Ich dachte, wenn es einen Ort auf dieser Welt gibt, an dem ich am allermeisten ich bin und mich so frei fühle wie ich nur kann, dann ist es die See. Meine Seele scheint zu tanzen, an diesem Ort. Ich bin so losgelöst und so frei, doch gleichzeitig viel verwundbarer. Es ist, als würde das Meer meine Seele öffnen, mein Herz.

Mich hat dieses Gefühl in meiner Kindheit immer sehr überwältigt, ich weiß, ich hatte es damals schon. Als ich für lange Zeit nicht mehr an die See gereist war und dann wiederkam, hat es mich fertiggemacht. Dann vermied ich es, das Meer war in diesen Zeiten mehr ein Symbol der tiefen Traurigkeit und Sehensucht, die in mir steckt, als der grenzenlosen Schönheit meiner Kindertage, die ich dort verbrachte.

Als ich heute Abend die langsam in unendlichem Blau versinkende Sonne beobachtete, wurde mir klar wie tief und unbeschreiblich meine Gefühle zu diesem unendlichen Blau sind. Ich denke nicht einmal, das ich sie mit Worten ausdrücken könnte. Dieser Text soll jedoch zumindest ein Versuch sein, es zu tun.

Ode an die Möwe

Du sagtest mir
vor nicht
allzu langer Zeit
einmal

nichts
sei größer
als
das Meer
der Himmel
der Sand
unter unseren Füßen

nicht
einmal
die Liebe
sei größer
keine Liebe
auf der Erde
könne jemals größer sein
als all das

das Meer
vor uns
der Himmel
über uns
der Sand
unter unseren Füßen

du hattest Recht
keine Liebe
ist größer