Täter, Schuld, Scham

Ein Text über sexuelle Übergriffe und sexualisierte Gewalt.

Dieser Text fällt mir schwer, sehr schwer. Jedes Wort tut mir weh und doch ist es mir so wichtig diesen Text zu schreiben, in die Welt zu tragen.

Ich habe einmal ein Gedicht geschrieben, es heißt «Das Wort» und es geht um sexualisierte Gewalt. Um preziser zu sein: es geht um den Übergriff, den ich erlebt habe.

Über das, was mir passiert ist zu schreiben, gibt mir Kraft. Es vorzutragen, mit anderen zu teilen, sie darauf aufmerksam zu machen, noch mehr. Aber auf was möchte ich denn überhaupt aufmerksam machen? Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die Person, die mir gegenüber übergriffig war, niemand fremdes war, der aus einem Busch gesprungen kam, sondern eine Person war, der ich vertraute. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass auch ich, wie so viele Frauen, mir selbst die Schuld gegeben habe. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich mich schämte, furchtbar schämte für das, was mir angetan wurde, als es nach langem verdrängen hochkam. Ich schämte mich, wie all die anderen, mit denen ich über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt sprach.

Es gibt keine Flint Person in meinem nahen Umfeld, die in ihrem Leben keine Gewalterfahrung dieser Art gemacht hat. Und die Täter waren immer Menschen, denen sie vertrauten. Jedes einzelne Mal.

Dieser Text, alle meine Texte zu diesem Thema, sind dafür da zu zeigen, das du nicht alleine bist, wenn du sexualisierte Gewalt erlebt hast. Sie sind dafür da zu zeigen, dass es immernoch geschieht, tagtäglich, trotz #MeToo, trotz #Aufschrei und was es mit denen macht, die solche Gewalt erfahren haben. Nur weil heute nicht mehr täglich ein Artikel zu diesem Thema in der Zeitung erscheint, oder #MeToo in den sozialen Medien ganz oben steht, heißt es nicht, das das Thema nicht noch immer hochaktuell und enorm wichtig für uns alle ist. Denn das ist es, und jeder der etwas anderes behauptet, geht mit verschlossenen Augen durch diese Welt.

Jeder der Täter in Schutz nimmt und verteidigt, ist Teil des Problems. Denn wir haben ein Problem und es ist riesig, größer als wir alle überhaupt fassen können. Wir müssen anfangen zu reden, aufhören uns zu schämen, heraustreten und losschreien. Offen legen, was wir vergraben haben. Meine Stimme, ist nur eine, eine von vielen. Ich weiß, wenn ich nur laut genug schreie, wird mensch mich hören. Es liegt an uns, jetzt, heute, diese Gesellschaft, diese Welt, zu verändern.