Risse

Über mir
stehen die Sterne
und ich stehe hier

allein

ich und
meine Lichterkette
die Batterien fast alle

die Nacht ist klar

fast sehe ich dein Gesicht
in der Wohnung gegenüber

und die hellen Fenster
schauen in mich
ich weiß nicht was
sie wollen

ich will vergessen
nicht mehr missen
und überall
finde ich Stücke
von Taten und von Worten
die uns auseinander
rissen

Die Wärme in deinem Blick

Ich bin
ein offenes Buch
du kannst mich lesen
doch ich verstehe
es selber nicht

da ist
Wärme
in deinem Blick

meine Hand zittert

ich will das nicht
fühlen
der Herzschlag
rennt vor dir
oder einem Teil von mir
diesem großen
kleinen
Funken
von nichts
oder allem

und der Einsamkeit

meine Stimme bricht

die Wärme
in deinem Blick

Kaltes Licht

Kaltes Licht
durchflutet
den Raum
durchflutet mich
spiegelt sich
in der Photographie

vermischt die Zeiten
und die Welten
meine Seele
im See ertrunken

du singst
für mich
ich sinke
in dich

wo bist du jetzt

ich sehe dich noch
doch finde dich nicht

Pneumothorax

Ich wandere
im langsamen Sterben
strebe ich alles an
und weiß noch nichts
und kenne doch niemanden

nicht einmal
nicht zweimal
obwohl ich es versuche

mich selbst

in mir
tobt der Sturm
der will lieben
loslassen

liebevoll

vor Lust
die Lungen
kollabieren lassen

und ich gebe
nachdem ich so viel gab
mir
einen neuen alten
Namen

und reiße
die Seite(n) raus

ausreißen

innerlich eins
rein
bei Zeiten
entzweit

Sehnsucht
kapituliert

Pause
Punkt Punkt Punkt

ein letzter
Atemzug

bevor du vorüberziehst

When The Past Walked By

And the ticks
of the clock
we do not hear

for the clock
had stopped
and has been broken

like bones

the time
that crushed our souls

Im Zwischenort

Ein Spalt von Licht
eine Lücke im Nichts
die kalte Luft
der Rauch
eine Linie

zarter Schlag

ein Kleber
Sinne vernebelt
Sinn nicht gefunden
Augen geschlossen
Hände verbunden

sich winden
mich finden

verschlingen
lassen
loslassen
fallen
aufgefangen

werden

sein

im Zwischenort

Gestern

Gestern kann nie
vergessen werden
existiert

nicht

ist

und wird sein

und meine Wut

auf das alles
was uns gegeneinander
kämpfen lässt

nie vergessen sein

(Für A)

Nachdem der Vorhang fällt

Was tun wir
nach einer Tragödie
wie sie hier geschah
wer wischt das Blut
vom Boden auf
wohin können wir
noch schauen

unter unsere Kleidung
sicherlich nicht

und wir sind blind
jetzt
wo der Vorhang
vor uns fällt
Farben können wir
nicht mehr sehen

unsere ZuschauerInnen
fragen sich
streiten und debattieren
mit welchen Worten
sie beschreiben sollten
was sie gerade
erzählt bekamen
wie sie es
zu bewerten haben
wer in dieser Zeit
die Schuld so schwer
für immer
auf geschundenen Schultern
trägt
wohin ihre Taten
sie wohl führen werden

unter unsere Kleidung
hoffentlich nicht

In der stillen Stadt

Die Kreuzung
um Vier
in mitten
der stillen Stadt

es war noch nicht Tag
es war nicht mehr Nacht

ich hörte das Klicken
der Ampeln
und das Klacken
meiner Schuhe

es gab keinen Horizont
und im kalten Wind
nach diesem warmen Tag
roch es nach altem Kaffee

und wo ein
verstorbener Traum begraben
wurde
mit meinen Tränen
eine Hoffnung gegossen

es war noch nicht Tag
es war nicht mehr Nacht
die Vögel
sangen noch nicht

in
der stillen Stadt
stand alles Still
und irgendwo

schwebten wir

Das Teelicht

Du hältst
eine Hand
mein Herz
zerbricht

und das Teelicht
erlischt
das Wachs
ist verbrannt

ich sehe ein Gesicht
im Spiegel
bevor
das Badewasser
dich ergreift

es ist ein See
und ich versinke

der Himmel
und die Erde
sehen sich an
doch ihr Antlitz
ist eins

Schwerelosigkeit
nimmt mir die Tränen
und das Leid

und dein Gesicht
erkenne ich
noch immer nicht
dabei
kenne ich
es doch