Lasst die Frauen kommen

Er weiß
was er will
er kriegt es
wenn er es will
er kriegt
was er will
und er weiß es
denn er ist
Mann

ein Mann
der Schuhe bindet
ein Mann der läuft
auf dem Boden dieser Welt
ein Mann der belesen ist
ein Poet
Philosoph
Politiker

sie hat Lust
sie weiß
was sie will
sie weiß nicht
wie sie fragen soll
ob sie fordern darf
ob ihr zusteht
zu kriegen
was sie will
und sie weiß
nicht wie sie
sich erkämpft
was sie will
denn sie ist
Frau

eine Frau
die Schuhe bindet
eine Frau die läuft
auf dem Boden dieser Welt
eine Frau die belesen ist
eine Poetin
Philosophin
Politikerin

beide
und alle
die dazwischen
oder außen sind
sich nicht im binären
identifizieren
eure Lust
ist eure Lust
eurer Recht
zu fühlen

die Grenze
eures Gegenüber
trennt Lust
trennt begehren
von Gewalt

sagt was ihr wollt
verbannt den Scham
um eure Phantasien
sprecht aus
was ihr euch wünscht
seht dem Menschen
in die Augen

fragt
seht
erforscht
lebt

sagt Nein

laut

und zu guter letzt
lasst die Frauen
kommen

Tanzen im Laternenlicht

Heller
heller
heller
der Mond scheint

ich tanze
im Laternenlicht
unterm Sternenhimmel
und weiß
kein kleines bisschen
wer ich bin
nur was ich will

und ich
werde tanzen
ob dir das gefällt
oder nicht
und andere
werden tanzen
und die Welt
auf und in
und mit der
wir leben
hinterfragen

und dann
werden sie beginnen
sich zu wehren
und aufstehen
oder sitzenbleiben
losrennen
stehenbleiben
Blockaden bilden

heute Nacht
tanze ich
noch allein
die Straße entlang
morgen Abend
wird vielleicht
schon jemand
mit mir tanzen

im Laternenlicht
unterm Sternenhimmel

jemand
der auch
kein kleines bisschen
weiß wer er ist
aber
was er will

Sie und ich

Ich brauche
ihn nicht
denkt sie

ich brauche
ihn nicht
flüstert sie

ich brauche
ihn nicht
sagt sie
und zögert

ich brauche
ihn nicht
schreit sie
und wirft
ein Buch
an die Wand

sie atmet

sieht in
den Spiegel
sie weiß
was sie will
und wie stark
sie ist

Frauen*
dieser Welt
Schwestern*
nah und fern
erhebt euch
wo auch immer
ihr lebt
wen auch immer
ihr liebt

werft eure Bücher
an die Wand
schreit euch
die Lungen heraus
kämpft gegen die
die uns fesseln
befreit einander

wo auch immer
ihr lebt
wen auch immer
ihr liebt

meinen Körper
den ich spüre
meine Seele
in der ich fühle
ich nehme mir
zurück
was du mir stahlst

für Freiheit
für Liebe
für Anarchie

Kein Traum

Kein Traum
alles wahr

kalt und dicht
einsam
ohne Boden
endlos fallen
schweigsam
ins nichts

kein Traum
alles wahr

dein gelber Regenmantel
gleißend
im letzten Licht

der Traum
ist aus
du bist weg
und
ich will
hier raus

Wieder

Wer du bist
und
was du willst
wen du begehrst
und
welches Wort
du aussprichst

Nächte
die nicht
zu Ende
gehen

Strandspaziergänge
beim heftigsten
Sturm

Pfefferminztee
verschütten
die Blätter
wie im Herbst
auf dem
Küchenboden

aufheben
in Büchern
pressen

Zeit haben

Scherben auffegen
Wunden heilen
lieben lernen

eine Welt
wieder retten

Der verlegene Blick

«… and in the ear of every anarchist that sleeps but doesn’t dream, we must sing, we must sing, we must sing»
– Bright Eyes, At the Bottom of Everything

Die
die denkt
und
Der der
singt
wer der
ist
der da
tanzt
habe ich
gefragt

wie er
heißt
wie die
Menschen
ihn rufen
die ihn
lieben

hast du
mich
nicht gehört

die
Musik ich
weiß
sie ist
viel
zu laut

siehst
du wie
leidenschaftlich
er tanzt

voll
mit Liebe
und
so viel
Gespür
dieses Gefühl

ich
würde gern
neben
ihm mit
ihm
durch die
Welt
davon tanzen

es
ist schade
ich
kenne seinen
Namen
leider nicht

da
tanzt er
hinfort

er entgleitet
meinem
verlegenen Blick

werde ich
ihn
jemals wieder
sehen

Wenn heute noch immer gestern ist

In welche Himmelsrichtung
fließt
der Fluss
werden wir
morgen noch
an gestern denken
wer dreht
an den Rädchen
der Maschinerie
dieser verzweifelten
Zeit

wirst du dich
für heute
entscheiden

anders
als gestern

wie wir durch
das Brachland
liefen
getragen
vom Wind
dieser wunderschönen
Zeit

ich frage mich
warum
suche nach Antwort
im Sand
wir haben damals
nicht nur
unsere Füße
vergraben
wer will
das
heute
noch sagen

ich will
nicht weinen

Kuchenecken
Zimmerdecken
getrennte Betten
vergessene Schätze
im Sturm versinkend

erste Liebe
gebrochenes Herz
große Liebe
verstauchtes Bein
wahre Liebe
alles aus

kleiner Tiger
schau mich an
wirst du dich
für heute
entscheiden

anders
als gestern

du bist
durch den Sturm
gegangen
hast Sand
in deinem Fell
deine Pfote
ist verstaucht

kleiner Tiger
schau mich an

ich frage dich
weißt du

warum

Ganze Welt

Mein Philosophielehrer ruft mich ab und zu an und fragt mich wie es mir geht und ich glaube, er ist der Schlüssel zur Weltrettung. Zumindest der Art der Weltrettung der ich nachgehen möchte und die das Projekt, was ich gerade mit starte, verköpern soll.

Um zu verstehen wie ich die Welt glaube retten zu können und welche Rolle hierbei mein Philosophielehrer hat, ist eigentlich nur ein Satz wichtig;

»Wer ein Leben rettet, der rettet eine ganze Welt und wer ein Leben zerstört, der zerstört eine ganze Welt.«

Talmud, Sanhedrin 37a13

Ich möchte Menschen zusammenbringen, tiefgreifende Beziehungen aufbauen, Spuren in den Leben von Menschen auf der ganzen Welt hinterlassen. Ich möchte auf kreative, künstlerische Weise auf Probleme aufmerksam machen und gemeinsam Ideen entwickeln, wie diese Welt besser und schöner werden kann. Vor allem möchte ich auf den Wert, dieses einen Lebens, was wir, was ich habe, aufmerksam machen. Wie Jorge Bucay in seinem Buch, in unserem diese Rolle erfüllend spielen zu können und die drei Fragen beantworten zu können, müssen wir frei sein, Freiheit haben. Denn wir können uns nicht beantworten wer wir sind, wenn wir, wo wir im Leben nicht wir selbst sein können und wir können uns nicht fragen, wohin wir gehen wollen wenn wir eingesperrt sind und wenn wir dann zumindest wüssten wer wir sind und wohin wir gehen wollen, dann könnten wir nicht sagen, wen wir auf unserem Weg nun mitnehmen wollen, wenn die Menschen um uns herum in ihrer selbst verloren und verwirrt sind und nicht wissen, wohin sie gehen möchten. Die dritte dieser Fragen, ist die erste bei der es um das Einschließen von Mitmenschen geht. Das erklärt auch meinen Weg sehr gut: In dem wir anderen helfen oder sie auf ihrem Weg begleiten, die beiden ersten Fragen zu beantworten, berühren wir durch unsere zwischenmenschliche Beziehung viele, viele andere Menschen.

Mein Philosophielehrer kommt jetzt ins Spiel, denn er ruft mich ja wie gesagt ab und zu an und fragt mich wie es mir geht. Er tut das aus Güte – aus Menschlichkeit. Er ist ein Mensch (מענטש‎) und verhält sich auch so. Denn ich bin ihm wichtig, er hält mich für einen guten Menschen, und sieht es als seine Pflicht, seine Aufgabe, von Herzen sich um mich zu sorgen. Weil wir Menschen sind. Das ist, wie ich denke, unsere Aufgabe auf dieser Welt.

Wenn wir das als Projekt verkörpern möchten, dann muss unser Grundkonsens nicht Antiautorität & Antistaatlichkeit, Antikapitalismus, Antifaschismus, Antirassismus, Feminismus, Internationalismus und Radikalökologie sein, sondern Menschlichkeit. Das muss als erster und wichtigster Punkt in unserem Vorstellungstext auf unserer Website sein. Sobald Menschlichkeit vorausgesetzt wird, ergibt sich von Schritt zu Schritt auch Antidiskriminierung und alles andere oben stehende daraus (Zum Beispiel: Kapitalismus = unmenschlich).

Um Menschen zu berühren und die Welt nachhaltig verändern zu wollen, brauchen wir an erster Stelle Menschlichkeit, wir brauchen Lehrer, denen ihre Schüler so wichtig sind, wie ich meinem Religionslehrer, wir brauchen Freunde, bei denen wir wir selber sein können, wir brauchen Geliebte und Partner denen wir alles erzählen können. Wir brauchen mehr Vertrauen, Güte, Liebe, Respekt, Frieden, Freiheit.

Menschlichkeit (מענטשלעכקייט).

Zwei Seelen

Einsam
sitzen zwei
an der Kreuzung
auf dem Weg
in orangenem
Laternenlicht

die eine hat
nichts
der andere hat
alles

eigentlich
haben sie beide

nichts

und alles
auf einmal

sie findet
Sinn
in ihm
und alles
was ihn
umgibt

erklärt ihm
wie sie diese
Welt
sieht

sie hofft

er findet
Sinn
in etwas
was auch immer
beide umgibt

im orangenen
Laternenlicht

Novembersturm

Der November
hat begonnen

die Bäume
sind kahl
die Äste
wehen
im Sturm

der Boden
ist glatt
der Fluss
vereist

im Treppenhaus
des Hinterhaus
riecht es
nach Erdbeeren

grotesk